Warum ein Problem erstmal gar keines ist
 – und wir manchmal besser auf die alten Griechen hören sollten


#Haltung #Lernen #Entwicklung

von Oliver Tropper

Es waren einmal die alten Griechen. Viele von ihnen dachten viel nach, manche von ihnen noch viel mehr als alle anderen. So ist es nicht verwunderlich, dass die griechische Philosophie mit all ihren kleinen und großen Erkenntnissen über das Leben eine der fundamentalen Säulen des geistigen Europa bildet. Und manchmal kann es auch sehr spannend sein, sich zwecks besserem Verständnis zur sprachlichen Wurzel eines Wortes aufzumachen. Vor allem, wenn zwischen Gestern und Heute mehr als 2000 Jahre Menschheitsgeschichte liegen und damit auch das Problem einen fundamentalen Bedeutungswandel erfahren hat.



Problem kommt von pro-ballein

Unser unerwünschtes und negativ besetztes Problem leitet sich vom altgriechischen pro – ballein ab und es entstand daraus die Ballistik als die Lehre von den Wurfgeschossen.
Pro-ballein bedeutet demnach in seiner Ursprünglichkeit, dass uns etwas auf unseren Weg geworfen wird, uns etwas begegnet. Und dieses etwas ist einmal per se wertfrei und damit so ganz und gar nicht mit potentiell negativen Folgen besetzt.

dia-ballein und sym-ballein



Wichtiger ist, was denn dieses Etwas mit uns macht und vor allem, was wir mit oder aus der Situation machen. Entzweit oder verwirrt sie uns, so bezeichneten die alten Griechen diesen geistigen Zustand als dia-ballein. Woraus abzuleiten ist, dass der Diabolus (aka der Teufel) weniger durch Rauch und Schwefel als vielmehr durch nachhaltige Irritierung gekennzeichnet ist. Schaffen wir es, die Situation jedoch in ihrer gesamten Bedeutung für unseren eigenen Weg zu verstehen und in diesen zu integrieren, sprechen wir von sym-ballein als etwas zusammentragen oder vereinen. Womit der sprachliche Brückenschlag zum Symbol als einem Sinnbild, einer Einheit, vorgezeichnet ist.

Wofür ist das gut?

Ideal ist es daher, vorerst einmal zu versuchen, einem Ereignis, egal welcher Beschaffenheit, wertfrei gegenüber zu stehen. Die Empfindungen, die es auslöst zu hinterfragen: Was macht das mit mir? Was löst es aus? Woher kenne ich das? Habe ich schon einmal eine ähnliche Situation erlebt? Wie habe ich die gemeistert? 
Und sich danach zu fragen, wofür die Situation denn eigentlich gut ist. Was sie mir sagen möchte und vor allem: Was kann ich daraus mitnehmen? 
Nämlich für den nächsten Wegabschnitt, auf den uns ziemlich sicher wieder etwas hingeworfen wird.