Warum wir Verwirrung brauchen, um zu wachsen – und weshalb es keine Ordnung ohne Chaos gibt

von Claudia Kloihofer-Haupt und Christoph Anderle

Verwirrung zu erleben ist einfach, an Verwirrung zu wachsen ist das genaue Gegenteil. Nicht wirklich greifbar und doch äußerst präsent wird die Verwirrung von denen wahrgenommen, die gerade mitten in ihr stecken. Oder steckt sie in uns?

Die Verwirrung ist ein blinder Fleck in unserem Bewusstsein und das aus einem simplen Grund: Weil wir uns nicht gerne mit ihr beschäftigen. Wenn wir es doch tun, geschieht dies meist mit dem Ziel, sie schnellstmöglich wieder loszuwerden.

Wir sind verwirrt, wenn Unvorhergesehenes passiert. Wir fühlen uns aus der Bahn geworfen oder auch wie wenn man uns den Boden unter den Füßen weggezogen hätte. Auf einmal ist nichts mehr klar und alles unsicher.

Ordo ab Chao

Der Verstand schreit um Hilfe wie ein weinendes Kind und ist schwer zu beruhigen. Er will ordnen und sortieren, dafür ist er da. Er sieht die Verwirrung als Gefahr. Sie erscheint uns als Bote der Unordnung, des Kontrollverlustes, des Chaos. Doch Sein und Schein sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Eigentlich ist Verwirrung eine große Chance. Für diejenigen, die sie sehen können.

Der Verstand versucht immer, aus dem Gelernten der Vergangenheit Lösungen für die momentane Situation zu schaffen. Einfach gesagt ist die Verwirrung das Erleben des Versagens dieser Lösungsstrukturen.

Was ist nun die große Chance? Es ist nicht der Versuch, die Dinge wieder in die gleiche Ordnung wie bisher zu bringen (und mit großer Wahrscheinlichkeit daran zu scheitern), sondern aus den Scherben des Erlebten vollkommen neue Möglichkeiten für sich selbst und für das große Ganze zu kreieren. Es ist die Erweiterung deines Handlungsspielraums, um nicht in einer endlosen Wiederholungsschleife aus Ursache und Wirkung stecken zu bleiben.

Wie geht das?

Was soll man nun tun, wenn Altes nicht mehr funktioniert und Neues noch nicht da ist? Um neue Dinge zu erleben, müssen wir alte loslassen. Um Ordnung ins Chaos zu bringen, müssen wir Strukturen schaffen, die anders sind, als jene, die uns in das Chaos geführt haben.

Frei nach Einstein: Es grenzt an Wahnsinn, ständig das Gleiche zu tun in der Hoffnung, dass dabei endlich einmal etwas anderes herauskommt.

Und nein, es sind nicht die Umstände, die das Chaos verursachen. Es sind auch nicht die anderen und es ist schon gar nicht Donald Trump. Es ist unsere Bewertung der Umstände. Die Umstände stehen einfach so herum, deshalb heißen sie ja auch so. Sie sind ohne Bewertung. Diese geben wir ihnen.

Deshalb bist Du die Veränderung der Umstände, denn die Realität folgt deinen Gedanken, nicht umgekehrt.